Ursprung
Erste Erwähnung
Tanzrhythmus

Über den Ursprung des Schäfflertanzes

Die Entstehung des Schäfflertanzes in München datiert vom Jahre 1517, woselbst in München die Pest auf grauenhafte Weise wütete. Die Pest herrschte in München mehrmals, nämlich in den Jahren 1463, 1515 und 1517. Die erste dieser Seuchen dauerte von Weihnachten 1462 bis Michaeli 1463. Aber auch noch später, im Jahre 1643 trat dieselbe nochmals auf und raffte die ungeheure Zahl von 15.000 Menschen weg. Bei dieser letzten Periode waren zwar die Vorsichtsmaßnahmen weit zweckmäßiger als bei den früheren Erscheinungen; trotzdem konnte derselben doch kein Damm gesetzt werden. Es waren damals in München nur zwei Tore offen, das Neuhauser- und das Isartor. Beide Tore waren stark bewacht und niemand durfte ohne Vorweisung der Gesundheitspässe und genaueste Untersuchung herein. Angekommene Briefe an Kaufleute wurden geräuchert und das Geld mit Essig gewaschen, ferners wurden an den Ein- und Ausgängen der Straßen eiserne Ketten befestigt, um dieselben nach der Quere zu ziehen, wenn die Ansteckung in der einen oder anderen Straße zu befürchten war. Da aber die Leute dessen ungeachtet durchschlüpften, so wurden die Straßen, in denen sich Pestkranke befanden, mit Brettern verrammelt, was namentlich in der Eisenmanns-, Damenstifts und Kreuzgasse der Fall war. Auf den Straßen wurden Feuer unterhalten und Wacholdersträucher verbrannt.
Während der Pest 1517 aber waren noch keine so umfangreichen Maßregeln getroffen und es starben Tausende dahin. Alles schwebte in furchtbarer Todesangst; außer den Totengräbern und Pesträucherern wurde niemand auf der Straße gesehen; die Landleute getrauten sich nicht in die Stadt und es trat großer Mangel an Lebensmitteln ein. Das Elend hatte die höchste Stufe erreicht und selbst nach dem Verschwinden der Pest wagte sich lange Zeit niemand aus dem Hause, aller Verkehr stockte. Die Ärzte konnten für dieses Übel nicht helfen und man befürchtete, dass dieser Zustand zu neuen Krankheiten Anlass gebe.

Da geriet ein einsichtsvoller Bürger – leider ist dessen Name nicht überliefert – auf den Gedanken, ein entgegengesetztes Mittel zu gebrauchen und die Leute, statt mit ihnen zu jammern und zu wehklagen, durch ein lustiges Schauspiel aufzuheitern. Dieser wackere Bürger gehörte zu der Zunft der „Schäffler“. Zur Ausführung seines Planes schlossen sich die Schäffler alle mutig an und auf seine Anregung ließen sich auch die „Metzger“ herbei und es halfen alle getreulich zusammen, wodurch auch der Metzgersprung entstand, der von demselben Jahre datiert.

Während die von der Pest verschonten bleich und abgemagert, vom Elend zusammengekauert in peinlicher Furcht noch immer in verschlossenen Stuben saßen, erscholl eines Tages auf einmal fröhliche Musik in den Straßen. Alles eilte an die schon lange nicht mehr geöffneten Fenster und siehe da, die Schäffler zogen in aufgeputzten Scharen nach dem Marktplatze, wo sie mit grünbelaubten Reifen einen Rundtanz aufführten und die „Gretl mit der Butten“ – an deren Stelle später die „Hanswursten“ traten – ergötzte Alt und Jung mit ihren Späßen. Alles strömte aus den halb ausgestorbenen Häusern dem Zuge nach und lachte herzlich. Viele waren gestorben, manche aber, von denen der eine den anderen längst tot glaubte, traf sich. Bald wurde es wieder lebhaft in den Straße, die Glocken ertönten zu Dankgebeten. Alles kehrte zur Ordnung und zur Arbeit mit erstarktem Mute zurück. Da hiermit die Schäffler ihren Zweck erfüllt hatten, durchzogen sie nach dem Tanze in feierlichem Zuge unter Klängen feierlicher Musik sämtliche Straßen der ganzen Stadt. – Nachdem die Schäffler ihren Tanz beendet hatten, sprangen die Lehrlinge der Metzger in den Fischbrunnen zum Zeichen, dass die Luft und das Wasser rein seien.

Dieses ist der Ursprung des „Schäfflertanzes“, welcher in jener Zeit von dem Haus des so genannten „Himmelsschäfflers“ am Färbergraben seinen Auszug hielt und welches Haus mit der Nummer 20, dorstselbst gestanden hat. Im Jahre 1631 wurde es neu erbaut und mit dem Bilde: „Zwei Schäffler, ein Fass bindend“, versehen. Darunter stand folgende Inschrift:
„Hier ward es zum Himmelsschäffler genannt und es kam von hier aus der Schäfflertanz. Erbaut 1631. Renoviert 1. 1784, 2. 1821, 3. 1877.